Wo stehen wir?
Open Innovation im industriellen Mittelstand
Inhaltsverzeichnis
Stellen Sie sich das folgende Szenario vor: Es ist Montagmorgen. Anstatt im ersten von gefühlt 20 Meetings an diesem Tag zu sitzen, loggen Sie sich in die Innovationsplattform Ihres Unternehmens ein. Dort tauschen Sie sich nicht nur mit Ihren Kollegen aus, sondern auch mit Start-ups, Universitäten, Ihren Kunden und einigen Ihrer Wettbewerber. Es geht um ein neues Produktupdate. Ein Ingenieur aus Deutschland skizziert eine Idee für eine neue Technologie, die sofort von einer Designerin aus Schweden und einem Spezialisten aus Indien weiterentwickelt wird. In wenigen Stunden entsteht ein erstes virtuelles Modell, begleitet von Feedback aus der Community.
Für Unternehmen, die Open Innovation leben, wird dieses Szenario Wirklichkeit: Sie entwickeln schneller Produkte, sparen Kosten durch geteilte Ressourcen und ziehen hochqualifizierte Talente an, die Lust auf echte Zusammenarbeit haben. Konkurrenz wird nicht mehr durch Geheimhaltung ausgestochen. Vielmehr gewinnen die Unternehmen, die besonders effektiv kooperieren. Innovation wird dann zu einem lebendigen, globalen Miteinander. Grenzen zwischen Unternehmen, Branchen und Nationen verschwimmen. Am Ende des Tages zählt nur die gemeinsame Lösung.
Was ist Open Innovation?
Allgemein spricht man von Open Innovation, wenn Unternehmen ihre internen Innovationsprozesse für Fachwissen, Technologien und Konzepte von außen öffnen. Innovationen kommen dann also nicht mehr nur aus der eigenen F&E-Abteilung – wenn man denn eine hat – sondern werden gezielt zusammen mit bspw. Kunden, Partnern oder Universitäten und auch Start-ups entwickelt.
Durch die aktive und strategische Nutzung von Wissen, das sich außerhalb der eigenen Organisation befindet, erhöht sich das Innovationspotential und damit auch die Wettbewerbsfähigkeit. Das wird gerade in unserer globalisierten Welt für kleine und mittlere Unternehmen immer wichtiger. Denn neben der Globalisierung führen auch immer kürzere Produktlebenszyklen zu mehr Druck auf einzelne Akteure und zu erhöhten Risiken. Viele Unternehmen können es sich schlicht nicht leisten, ihre Innovationsprozesse unter Verschluss zu halten.
Dabei ist Open Innovation natürlich keine Einbahnstraße: Es funktioniert nur in beide Richtungen – Unternehmen öffnen sich für externes Wissen und sind außerdem bereit, ihr Wissen weiterzugeben.
Was verstehen wir unter Open Innovation?
Auch für uns bei Possehl Digital bedeutet Open Innovation, sich systematisch für externes Wissen, neue Ideen und technologische Impulse zu öffnen. Wir sehen Innovation als Teamsport. Dabei setzen wir auf Austausch, Ökosysteme und Zusammenarbeit. Es geht darum, über Unternehmensgrenzen hinweg zu denken und mit Startups, Technologiepartnern, Kunden und anderen Unternehmen gemeinsam an der Zukunft zu arbeiten.
Wie wir Open Innovation in unserer Unternehmensgruppe umsetzen
Die Possehl Gruppe setzt sich aus mehr als 200 kleinen und mittleren Unternehmen zusammen, die Standorte in über 30 Ländern haben und insgesamt ca. 13.500 Mitarbeitende beschäftigen. Trotzdem hat die Gruppe keine zentrale Konzernsteuerung, sondern setzt ganz bewusst auf ein dezentrales, unternehmerisches Modell.
Open Innovation ist für uns nicht nur ein theoretisches Konzept: Es ist ein zentrales Instrument zur Zukunftssicherung der Gruppe und gelebte Realität. Wie also sieht Open Innovation bei uns aus? Dafür verfolgen wir verschiedene Ansätze, um den Wissenstransfer möglichst breit zu fördern.
Ansatz Nr. 1: Das Cluster-Ökosystem der Possehl Gruppe
Mit unserem Cluster-Ökosystem schaffen wir gezielt Verbindungen zwischen den Unternehmen der Gruppe, Technologien und Partnern. Dieses Ökosystem ist das Rückgrat unserer Innovationsstrategie. Es handelt sich dabei um ein Netzwerk, innerhalb dessen in erster Linie der Wissenstransfer gefördert wird. Das Ökosystem teilt sich in Cluster auf, nach Funktionen wie Sales & Marketing, IT oder Nachhaltigkeit, sowie nach Technologien, darunter AI, New Work und Data Analytics. In regelmäßigen (virtuellen) Treffen tauschen sich Mitarbeitende aus den unterschiedlichsten Unternehmen zu Erfahrungen und Best Practices aus und unterstützen sich dabei, gemeinsam innovative Lösungen zu entwickeln. Einen umfassenderen Einblick in die Funktionsweise und den Aufbau unseres Ökosystems geben wir in diesem Beitrag: Das Possehl Cluster Ökosystem.
“In den Austauschformaten des Cluster-Ökosystems diskutieren die Teilnehmer über Best Practices, aber teilen auch ihre individuellen Herausforderungen miteinander. Die Heterogenität der Gruppe ist dabei ein echter Vorteil, weil die unterschiedlichen Perspektiven zu neuen Ideen und Lösungsansätzen führen. Für uns ist das gelebte Open Innovation.”
Hermann Schäfer, Geschäftsführer Possehl Digital
Ansatz Nr. 2: Die Possehl Group Innovation Conference
Seit sieben Jahren findet einmal jährlich die Innovation Conference (vormals Digitalkonferenz) der Possehl Group am Standort eines der Gruppenunternehmen statt. Auf der Konferenz kommen rund 250 Kolleginnen und Kollegen aus der Possehl Gruppe zusammen, um gemeinsam an Themen rund um die digitale Transformation und die Sicherung der Zukunftsfähigkeit im industriellen Mittelstand zu arbeiten.
Wir beschäftigen uns auf der Konferenz mit neuen Technologien, innovativen Digitalprojekten und praktischen Beispielen. Einen ausführlicheren Bericht der letzten Digitalkonferenz in Augsburg finden Sie hier: Lessons Learned von der Possehl Digitalkonferenz 2024
Mitte September ist es wieder so weit und wir treffen uns bei der HF Group in Belišće, Kroatien. Wir halten Sie diesbezüglich auf dem Laufenden.
Ansatz Nr. 3: Partnerschaften
Neben unseren internen Vernetzungsangeboten ist Possehl Digital auch Mitglied in mehreren Verbänden und Netzwerken. So sind wir bspw. im VDMA und Gateway49 aktiv und seit diesem Jahr auch im Maschinenraum. Unser neuester Netzwerkpartner ist Next Level Mittelstand.
All diese Initiativen bieten unterschiedliche Angebote für die Vernetzung und den Austausch. Hier kommen industrielle Mittelständler aus unterschiedlichsten Branchen zusammen und können sich fortbilden, Wissen weitergeben und von Best Practices lernen.
Die Herausforderung: Balance zwischen Effizienz und Innovation
Viele Unternehmen stehen heute vor der Frage: Wie halten wir Prozesse schlank, die Organisation effizient und erhalten uns dabei unsere Innovationsfähigkeit? Die Lösung ist nicht, sich für das eine oder das andere zu entscheiden, sondern bewusst beides zusammen zu denken. Open Innovation kann hier die Brücke schlagen. Denn wer neue Chancen frühzeitig erkennt und Ideen umsetzt, steigert nicht nur seine Innovationskraft, sondern auch seine operative Exzellenz.
Beispiel encoway: Erfolg durch gelebte Open Innovation
Unser Partner encoway ist ein Beispiel dafür, wie Open Innovation nachhaltigen Erfolg ermöglicht. Seit jeher setzt das Bremer Softwareunternehmen auf enge Zusammenarbeit mit Industriepartnern, um innovative Lösungen im Bereich Produktkonfiguration und CPQ (Configure Price Quote) zu entwickeln. Gemeinsam mit Kunden aus dem Maschinen- und Anlagenbau entstehen Anwendungen direkt in der Praxis – hochgradig relevant, skalierbar und effizient. Ob digitale Produktkonfiguration, Angebotsautomatisierung oder datenbasierte Vertriebsprozesse: encoway zeigt, wie man durch offene Innovationsprozesse technologische Komplexität beherrschbar macht und echten Mehrwert für Industrieunternehmen schafft.
Open Innovation war für encoway von Anfang an der Schlüssel zum Erfolg.
Fazit
Open Innovation zeigt uns, dass wir zukunftsfähiger und innovativer sein können, wenn wir nicht versuchen, die Zukunft im Alleingang zu gestalten, sondern im gemeinsamen Austausch. Kollaboration ist es, was uns stark und zukunftsfähig macht. Wir können es uns nicht leisten, unser Wissen für uns zu behalten – weder als einzelne Unternehmen noch als gesamte Branche. Wer heute bereit ist, Ideen, Erfahrungen und Technologien zu teilen, deckt neue Chancen auf und stärkt die eigene Wettbewerbsfähigkeit. Am Ende gewinnen nicht diejenigen, die ihr Wissen am besten hüten, sondern diejenigen, die am wirksamsten kooperieren.