top of page

Digitale Plattformen vs. Digitale Ökosysteme im industriellen Mittelstand: Wegweiser für die Zukunft?

Von Christoph Haß


Die digitale Transformation im industriellen Mittelstand wird oft aus zwei Perspektiven betrachtet: Intern, um Prozesse zu automatisieren und Effizienz zu steigern, und extern, um neue digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln und dadurch Wachstum und Innovation zu fördern. Der Erfolg von Unternehmen wie Amazon, Uber und Airbnb im B2C-Bereich hat das Potenzial solcher Geschäftsmodelle verdeutlicht. Zwei zentrale Konzepte in diesem Kontext sind digitale Plattformen und digitale Ökosysteme. Beide bieten unterschiedliche Vorteile und spielen eine entscheidende Rolle bei der Transformation traditioneller Geschäftsmodelle. 


Häufig werden diese Konzepte theoretisch dargestellt, was das Verständnis der Unterschiede erschwert. In diesem Artikel beleuchten wir die Begriffe und ihre Anwendung im industriellen Mittelstand praxisnah. 


Digitale Plattformen & Plattformökonomie  

Ein Plattform-Geschäftsmodell im B2B-Bereich bringt verschiedene Marktteilnehmer (z.B.  Anbieter und Kunden) auf einer gemeinsamen Plattform zusammen. Die Plattform fungiert als Vermittler, erleichtert Transaktionen und schafft Mehrwert durch zusätzliche Dienstleistungen. Anbieter profitieren am meisten von erweiterten Märkten (Umsatzwachstum), reduzierten Marketingkosten, Skalierbarkeit, wertvollen Daten und einer vertrauenswürdigen Umgebung. Diese Vorteile ermöglichen schnelleres Wachstum, erhöhte Effizienz und eine stärkere Marktposition. 

 

Beispiele im industriellen Mittelstand


  • Siemens MindSphere: Eine offene IoT-Plattform, die Unternehmen bei der Digitalisierung ihrer Produktionsanlagen und -prozesse unterstützt. Durch die Erfassung und Analyse von Echtzeitdaten können Unternehmen die Effizienz überwachen, Wartungsbedarfe vorhersagen und Produktionsausfälle minimieren. 

 

  • Spanflug: Eine digitale Plattform für die CNC-Bearbeitung und Auftragsfertigung im Maschinenbau. Sie verbindet Kunden, die CNC-Teile benötigen, mit einem Netzwerk qualifizierter Fertigungsbetriebe. Spanflug vereinfacht die Beschaffung von CNC-Teilen, bietet flexible Fertigungsmöglichkeiten und sichert hohe Qualität und Effizienz. 


Digitale Ökosysteme & Ökosystemtheorie 

Ein Ökosystem-Geschäftsmodell ist hingegen ein Ansatz, bei dem verschiedene  

Unternehmen, Partner, Kunden und andere Akteure zusammenarbeiten und miteinander interagieren, um Mehrwert zu schaffen, der über das hinausgeht, was jeder Einzelne allein erreichen könnte.

Diese Zusammenarbeit erfolgt häufig auf einer gemeinsamen Plattform, die den Austausch von Informationen, Dienstleistungen und Produkten ermöglicht. Digitale Ökosysteme fördern die Zusammenarbeit und Co-Kreation, was zu einer dynamischen Interaktion und Anpassung an Marktveränderungen führt. Dabei profitieren alle teilnehmenden Unternehmen gleichermaßen durch Innovation, Effizienz, Marktchancen, Wettbewerbsvorteile, Flexibilität, Datenanalyse und Risikoteilung. 



Beispiele im industriellen Mittelstand

 

  • Tapio: Ein offenes digitales Ökosystem, initiiert von der HOMAG Group, einem führenden Anbieter von Maschinen und Systemen für die holzverarbeitende Industrie. Tapio vernetzt Maschinen, Software und digitale Services, um die Produktionseffizienz und Flexibilität in der Holzbearbeitung zu steigern. Das digitale Ökosystem fördert die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren, ermöglicht die gemeinsame Nutzung und Analyse von Daten und bietet vielfältige Vorteile durch Synergien, Flexibilität und neuen Umsatzchancen. Alle profitieren auf Augenhöhe durch die Zusammenarbeit. 

 

  • SweetConnect: Ein Ökosystem für die Süßwarenindustrie, das von verschiedenen Akteuren ins Leben gerufen wurde. Ziel ist die Entwicklung einer herstellerübergreifenden Plattform für die produzierende Süßwarenindustrie, um neue Standards zu setzen. Die Zentralisierung aller produktionsrelevanten Daten ermöglicht die Überwachung und Optimierung von Prozessen, steigert die Anlageneffizienz und digitalisiert analoge Dokumentationen. Die Zusammenarbeit zwischen Maschinenbauern, Softwareentwicklern und Produzenten fördert Innovationen und Kostensenkungen, wobei alle Akteure von flexibler Skalierbarkeit und schnellen Anpassungsmöglichkeiten profitieren. 


Fazit 

 

Die digitale Transformation bietet dem industriellen Mittelstand enorme Chancen. Digitale Plattformen und digitale Ökosysteme spielen dabei eine zentrale Rolle, indem sie Effizienzsteigerungen, Kostenreduktionen und neue Umsätze sowie Märkte ermöglichen. Plattformorientierte Geschäftsmodelle konzentrieren sich vor allem auf die Vorteile für die Anbieter der Plattform, was die Kollaboration und Marktdurchdringung erschweren können. Ökosystemorientierte Geschäftsmodelle hingegen fördern die Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen verschiedenen Akteuren, die jeweils ihre Stärken einbringen und gleichermaßen von den Ergebnissen profitieren. 

 

Viele Unternehmen setzen auf beide Modelle. Mittelständische Unternehmen, die diese Konzepte strategisch nutzen, können ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken, neue Wertschöpfungspotenziale erschließen und sich zukunftssicher aufstellen. Der Weg zur digitalen Exzellenz beginnt hier und jetzt – und die Möglichkeiten sind groß. 

Comments


bottom of page